FRANK SCHULZ

Theorie und Didaktik der bildenden Kunst

Die La-Mancha-Akte

Der Kampf gegen die Windmühlen? Nicht berichtenswert, findet Sancho Panza. Die beinahe tödliche Auseinandersetzung mit dem Händler aus Viscaya? Notwehr. Der Kampf gegen die zehntausend feindlichen Krieger, die sich als Schafherde herausstellten? Eine Verwechslung, nichts weiter. – Nur widerwillig erzählt der Weggefährte von Don Alonso von den Abenteuern, die er mit seinem Freund erlebte, nachdem dieser sich selbst zum ›irrenden Ritter‹ ausgerufen hatte. Don Quijote de La Mancha, Ritter von der traurigen Gestalt: So nennt sich der verarmte Edelmann, der der Langeweile und Einsamkeit seines Lebensabends zu entgehen versucht, indem er sich in einen der Helden seiner Ritterromane verwandelt. Vergleichbar mit den Comichelden aus den Universen von Marvel und Co. in unserer Zeit sind diese Charaktere für den Mann des 16. Jahrhunderts ebenso unerhörte Vorbilder, deren Nachahmung unweigerlich scheitern muss. Angetrieben von der – ebenfalls einzig der Fantasie entsprungenen – Liebe zu Dulcinea del Toboso, seiner Angebeteten, zieht der ›irrende Ritter‹ durch die Region La Mancha und stößt auf alle erdenklichen Widrigkeiten. Doch seine Einbildungskraft, sein Glaube an eine bessere Welt und nicht zuletzt die unerschütterliche Freundschaft Sancho Panzas lassen ihn auch nach den schwersten Rückschlägen wieder aufstehen. Am Abend der Handlung unseres Stücks versammelt sich eine kleine Gruppe von ehemaligen Weggefährten im Haus des Don Alonso, um dessen Testament zu vollstrecken. Nachdem er seit dem Ende der Irrfahrten der ungleichen Freunde nicht mehr gesehen worden war, hat man ihn für tot erklärt. Zurück bleiben seine trauernden Freunde, seine einzige lebende Verwandte, Nichte Antonia, und nicht zuletzt juristische Konsequenzen ... Die absurde Reise von Sancho Panza und Don Quijote wird in Form von Rückblenden erzählt. Die Inszenierung vermischt Elemente des Sprech- und Tanztheaters und schafft so eine dynamische Verbindung zwischen Erinnerung, Gegenwart und der fantastischen Traumwelt des Don Quijote.« (Felix Kerkhoff)