FRANK SCHULZ

Theorie und Didaktik der bildenden Kunst

Ausgangspunkt

Durch eben diesen langfristig ausgelegten Ansatz ergibt sich die Möglichkeit, wesentlich mehr spiel- und tanzhandwerkliche Grundlagen zu erlernen und einzuüben. Hierbei liegt der Fokus im darstellenden Spiel vornehmlich auf einem gesunden Körperbewusstsein und einer starken inneren Haltung, ebenso wie auf der Ausbildung einer entspannten und kraftvollen Stimme. Weiterhin sind das bewusste Wahrnehmen des Raumes sowie das Bewegen in diesem von großer Bedeutung; auch die Kreativität beim szenischen Schreiben bzw. beim Erarbeiten einer Rollenfigur ist wichtig. Die Hauptgrundlage im Bereich Tanz ist die Entwicklung eines Verständnisses für den eigenen Körper und seiner Ausdruckskraft. Hierfür sind Kraft-, Konditions- und Technikübungen unabdingbar für tänzerische Intelligenz. Gruppen- sowie Partnerimprovisation mit gezielten Aufgabenstellungen und den daraus resultierenden Herausforderungen bilden u. a. die tänzerische Persönlichkeit heraus. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem technisch und körperlich orientierten modernen Tanz und den charakteristischen Merkmalen des Theatertanzes. In der Regel wird das erste Schulhalbjahr der Grundlagenarbeit, das zweite der Stückentwicklung gewidmet. Das zentrale Augenmerk liegt hierbei ganzjährig auf dem spielerischen Zugang für die Schülerinnen und Schüler. In angeleiteten Improvisationsübungen wird die Herausforderung der Bühnendarstellung durch eigenes Erleben als Spielende sowie als Beobachter der Mitschüler erfahrbar. Eine gewachsene Feedback- Kultur und eigene Kritikfähigkeit sind, wie so viele Inhalte aus dem Profilunterricht, nicht nur für das Theaterspiel, sondern auch für andere schulische oder zukünftig berufliche Entfaltungen bzw. für das spätere Leben ganz allgemein von entscheidender persönlichkeitsformender Bedeutung. Neben dem Grundlagenunterricht hat die Entwicklung des Abschlussstücks zentrale Funktion im Profilunterricht. Überhaupt einem gut zehnmonatigen Ziel durchgängig die volle Aufmerksamkeit zu widmen, bedeutet vor allem für jüngere Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihres Entwicklungsstandes Zeiteinheiten andere Gewichtungen geben, großes identitätsstiftendes Potenzial. Nur in der konkreten Beschäftigung mit einer zur Aufführung vorgesehenen Bühnenerzählung können die Schülerinnen und Schüler die spielerischen Grundlagen verinnerlichen und einüben. Das Abschlussstück ist dabei eine interdisziplinäre Gemeinschaftsarbeit, ausgehend von den Profilgruppen Theater und Tanz. Dabei finden gemeinsame Lehreinheiten statt, die den Ausdruck und die Bandbreite der Gemeinsamkeiten zum Vorschein bringen und fördern. Eigen- und Partnerwahrnehmung sowie ein zeitliches Verständnis sind Grundelemente, die in beiden Disziplinen zu finden sind. Je nach Produktion werden auch die bildende Kunst und Musik mit in die Aufführung einbezogen. Etwa bei der Gestaltung von Bühnenbild, Projektion, Plakat, Kostüm bzw. der musikalischen Rahmung. Insbesondere die Klassenstufe 10 des DSP-Unterrichts ist immer an der Entwicklung des Textes für die Aufführung beteiligt, wenn nicht gar federführend. So ergibt sich auch ein Zugang zum Theater, der über das reine Spiel hinausgeht.« (Alexander Bluschke / Felix Kerkhoff / Roman Windisch)

PDF – Alexander Bluschke / Felix Kerkhoff / Roman Windisch (2020) »Theater Intermedial«