FRANK SCHULZ

Theorie und Didaktik der bildenden Kunst

»Hier geht es um ein Filmprojekt einer 9. Klasse am BIP Kreativitätsgymnasium Leipzig. In fächerverbindendem Unterricht (Geschichte, Deutsch, Musik und Kunst) wurden die 1920er-Jahre als Jahrgangsthema behandelt. Bevor eine Projektwoche zur Produktion einer entsprechenden Filmcollage entstehen konnte, wurde in aufwändiger Arbeit eine ›richtige‹ Studiokulisse eingerichtet: Der sonst als Aula dienende Raum der Schule wurde völlig leergeräumt. In einer gut zu filmenden Ecke entstand ein Tanzcafé im Stile der 1920er-Jahre. Viele Eltern unterstützten dies sogar mit Mobiliar und vor allem mit zahlreichen Requisiten bis hin zu stilechten Kleinigkeiten wie Kaffeelöffeln und Spitzendeckchen. Integriert in die Kulisse war eine kleine Kaffeehausbühne, auf der eine von den Schülerinnen und Schülern eigens gegründete ›Jazzband‹ Platz fand und Spieleinlagen lieferte. Die gemeinsam entwickelte Filmidee bestand darin, dass sich in diesem Café in rasantem Wechsel Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Bereichen der Gesellschaft treffen, darunter auch Prominente wie Coco Chanel, Josephine Baker, Wassily Kandinsky, Otto Dix oder Charlie Chaplin. Zeitungsausgaben aus dieser Zeit gehörten (nachgestaltet oder in Kopie) zur Ausstattung des Cafés. Aber auch die sich anbahnende nationalsozialistische Entwicklung wirft ihre Schatten voraus. Es kommt sogar zu einer Schlägerei. Am Rande sitzt stets ein Chronist des Geschehens und tippt seine Gedanken in eine alte Schreibmaschine: Erich Kästner. Er schreibt hier seinen berühmten Satz: ›An allem Unfug, der geschieht, sind nicht nur die schuld, die ihn begehen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern.‹« (Steffen Wachter)

Fotos: Steffen Wachter