FRANK SCHULZ

Theorie und Didaktik der bildenden Kunst

Die Veranstaltung widmet sich einem Thema, das für die zeitgenössische Kunst von besonderem Belang ist: die zitierende Auseinandersetzung mit der Kunst selbst, mit ihren Werken, Prozessen und Kontexten. Ausgangspunkt ist ein berühmter Ausspruch des französischen Kunstpsychologen und Kulturpolitikers André Malraux: »Wie ein großer Künstler beschaffen sein müsste, der sich niemals einem Werk der Kunst, sondern nur lebenden Formen gegenüber gesehen hätte, bleibt uns völlig unvorstellbar.« (S. 41) Er weist also darauf hin, dass Kunst offenbar nicht allein aus der Wirklichkeit gespeist wird, sondern immer auch aus der Kunst, die ihr vorausgegangen ist oder um sie herum entsteht. Auch Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart orientieren sich an der Kunst anderer und nicht selten verweisen sie direkt auf diese, indem sie sie zitieren, quasi in ≫bildlicher Rede≪ darauf Bezug nehmen. Es handelt sich um eine Art Re: work, um ein Reagieren auf bereits gestaltete Auseinandersetzungen mit der Wirklichkeit und die Form, in der dies geschieht. Aber auch Gestaltungsfelder, künstlerische Kontexte und Entwicklungslinien werden aufgegriffen, um sich auf der Höhe der Zeit damit auseinandersetzen. Dabei kommt es zu einer fortgesetzten Auffächerung von Möglichkeiten des Zitierens, wo es oft nicht mehr allein um das Bildzitat im engeren Sinne geht, sondern um das Zitieren von Aspekten des gesamten gesellschaftlichen Systems der Kunst.